Handwerk
05.03.2015, 16:43 Uhr
 
Kfz-Gewerbe überrascht mit einem neuen Rekord-Umsatz

Autohäuser und Werkstätten verbuchen 1,1 Milliarden Euro - Rund 71.000 Autokäufe an der Weser - Markenhandel gewinnt stark im Gebrauchtwagen-markt - Erstmals Minus im Servicegeschäft - Durchschnittspreise gestiegen -
Positive Ausbildungsbilanz - Kritik an neuen Bürokratie-Anforderungen


v. l.: Stellv. Obermeister der Innung Bremen, Günter Engelke; Obermeister in Bremen und Stellv. LIM Hans-Jörg Koßmann; GF des LV-LIV Christian Metje; Präsident und LIM Karl-Heinz Bley; GF Innung Bremen Carsten Bleckmann

Bremen. Das Kfz-Gewerbe an der Weser hat im Autojahr 2014 einen Rekordumsatz in Höhe von 1,1 Milliarden Euro verbucht. Insgesamt setzte der bremische Automarkt mit dem Verkauf neuer und gebrauchter Pkw und Lkw sowie mit dem Service 1,5 (Vorjahr: 1,4) Milliarden Euro um. Dabei sorgten vor allem im Gebrauchtwagen-geschäft deutliche Marktanteilgewinne für den Markenhandel und ein höherer Durchschnittspreis in Höhe von 10.090 (Vorjahr: 9.580) Euro für einen Umsatzsprung. Nach einer ununterbrochenen langen Phase des Wachstums erlebte das Werkstatt-Geschäft erstmals Verluste. der Umsatz für den automobilen Service sank um 3,2 Prozent auf knapp 230 Millionen Euro.

 

Insgesamt wurden im kleinsten deutschen Automarkt an der Weser im vergangenen Jahr 70.991 (Vorjahr: 69.798) neue und gebrauchte Pkw verkauft. Dabei erreichte nach Darstellung von Karl-Heinz Bley, Präsident des Landesverbandes Niedersachsen-Bremen im Deutschen Kfz-Gewerbe, das Neuwagengeschäft einen Umsatz in Höhe von 646,52 Millionen Euro und der Verkauf mit gebrauchten Pkw einen Umsatz von 491,4 (Vorjahr: 459,7) Millionen Euro. Der Durchschnittspreis eines neuen Pkw sei mit 29.010 (Vorjahr: 27.590) Euro im Jahresvergleich deutlich höher.

 

Bley sagte in diesem Zusammenhang, nicht Preiserhöhungen, sondern deutliche Verschiebungen in den Modellsegmenten mit einem Trend zu größeren Pkw hätten den Preisschub ausgelöst. Nahezu zwei Drittel aller Neuwagen - exakt seien dies 63,8 Prozent - seien in 2014 gewerbliche Käufe gewesen, lediglich 36,2 (Vorjahr: 37,9) Prozent Privatkäufe. Für den Markt in Deutschland bedeute dies zahlenmäßig, dass 1.937.740 gewerbliche Käufe mit einem Plus von 105.434 Verkäufen und 1.099.033 Privatkäufe mit einem Minus von 21.000 Zulassungen in der Jahresbilanz stünden.

 


Veränderte Modell-Segmente

Die Veränderungen in den Modellsegmenten reflektierten ebenso den höheren Durchschnittspreis, denn aktuell erreichten die SUVs einen Marktanteil von 16,8 (Vorjahr: 15,4) Prozent, Kleinwagen hingegen verharrten bei 13,1 Prozent. Unverändert sei die größte Klasse die Kompaktklasse mit 25,6 (Vorjahr: 25,3) Prozent. Bley verwies ferner darauf, dass die größte Neuwagenkäufer-Gruppe die über 60-Jährigen mit 33,1 (Vorjahr: 33,6) gewesen seien, gefolgt von den 50- bis 59-Jährigen mit 27,6 (Vorjahr: 26,8). Die 40- bis 49-Jährigen entsprächen 21,4 (Vorjahr:22,1), die 30- bis 39-Jährigen 10,9 (Vorjahr: 10,7) und die bis 29-Jährigen seien eine Käufergruppe im Neuwagenmarkt mit einem Anteil von 6,8 (Vorjahr: 7,0) Prozent. Wolle man den typischen Autokäufer des Jahres 2014 kreieren, dann wäre dies ein über 60-Jähriger Mann, der eine Kompaktklasse in der Farbe schwarz oder grau kaufe und eine Jahreskilometerleistung von 14.470 (Vorjahr: 14.210) Kilometer habe.

 

Privatmarkt verliert

Verlierer des Gebrauchtwagen-Marktes 2014 sei der Privatmarkt, klarer Gewinner hingegen der Markenhandel. Mit einem Marktanteilsgewinn von rund sechs Prozentpunkten auf 38,9 Prozent und einem Umsatz von 270,7 (Vorjahr: 208,2) Millionen Euro sei der markengebundene Handel in die Pole Position gefahren. Gemeinsam mit dem reinen Gebrauchtwagenhandel habe man rund 365 Millionen Euro Umsatz verbucht. Der Privatmarkt sei auf 125,5 (Vorjahr: 139,4) Millionen Euroabgerutscht. Die Bandbreite der Preise reiche von 6.500 Euro im Privatmarkt bis hin zu 14.290 Euro im Markenhandel. Im reinen Gebrauchtwagenhandel habe ein gebrauchter Pkw im vergangenen Jahr rund 8.900 Euro gekostet.

 

Gelb und Weiß kommen

Steigende Nachfrage bei gelben Fahrzeugen: 17 Prozent mehr Autos in der sonnigen Farbe seien 2014 im Vergleich zum Vorjahr zugelassen. Zugegeben, das sind immer noch wenige: Rund 450 Neuwagen rollten in Gelb beim Händler in Bremen und Bremerhaven vom Hof. Die Farbe hat einen Anteil von knapp zwei Prozent an allen Neuzulassungen des Jahres 2014.

 

Die wachsende Beliebtheit liege vermutlich am gestiegenen Angebot im Klein- und Kleinstwagenbereich. Für einen relativ günstigen Aufpreis böten verschiedene Hersteller ihre Autos in der Signalfarbe an. Sicher von Vorteil im Preis sensiblen Kleinstwagen-Bereich: Gelb sieht auch ohne teuren Metallic-Effekt knallig aus.

 

Seit Jahren Dauerbrenner sind Fahrzeuge in Weiß, auch im vergangenen Jahr konnten sich wieder mehr (+16 Prozent) Autokäufer für ein solches schlicht lackiertes Auto erwärmen. Mittlerweile ist jedes fünfte Auto, das neu zugelassen wird, in der einst als "Kühlschrank-Metallic" verspotteten Farbe lackiert, 2010 war es erst jedes zehnte.

All das soll nicht darüber hinweg täuschen, dass mehr als die Hälfte (54 Prozent) der in Deutschland zugelassenen Autos in Silber/Grau oder Schwarz lackiert verkauft werden.

 

"Bittere Pille"

Von einer "bitteren betriebswirtschaftlichen Pille für die Branche" sprach Bremens Obermeister Hans-Jörg Koßmann mit Blick auf die Service-Bilanz. Das Minus von 3,2 Prozent, das leicht unter dem Bundesdurchschnitt von 3,4 Prozent liege, resultiere aus dem älter werden Fahrzeugbestand auf der einen und einem starken Kaufinteresse nach jungen Gebrauchtwagen auf der anderen Seite. Koßmann: "Die Alten machen einen Bogen um die Werkstatt, die Jungen müssen noch nicht kommen."

 

Die steigende Fahrzeugqualität mit der für den Verbraucher angenehmen Konsequenz verlängerter Wartungsintervalle zeige erstmals im bremischen Service-Markt, dass der über Jahrzehnte gewachsene Geschäftsbereich stark unter Druck geraten sei. Koßmann schätzt aufgrund statistischer Berechnungen, dass im vergangenen Jahr rund 50.000 Serviceaufträge weniger erteilt worden seien. Das Servicevolumen habe bei rund 540.800 Aufträgen gelegen.

 

Die Branche müsse aber verstärkte Anstrengungen unternehmen, die steigende Zahl der älteren Fahrzeuge wieder in den regelmäßigen Service zu bekommen. Aktuelle Umfragen belegten, dass die Zahl der Fahrzeugmängel mit steigenden Risiken für Sicherheit und Umwelt.

 

Mindestlohn verteuert

Das Kfz-Gewerbe zähle nicht zu den Branchen, in denen der Mindestlohn zu "laute Aufschreie" geführt habe. Dennoch schaue man sorgenvoll auf die Entwicklung, da im Besonderen in den Bereichen Fahrzeugzulassung und -aufbereitung Kosten- und damit Preissteigerungen zu erwarten seien oder bereits eingetreten seien. Beim Thema Bürokratie-Mehraufwand für das Mindestlohn-Gesetz erwarte das Kfz-Gewerbe noch im Jahresverlauf deutliche Vereinfachungen.

 

Diskussion über Daten

In der aktuellen Diskussion über Daten der Kunden und der Autos bezog das bremische Kfz-Gewerbe eindeutig Position. "Die Daten gehören dem Kunden oder dem Autohaus“, sagte Bley mit Hinweis darauf, dass dieses Thema "einen runden Tisch ohne vorherige Schulzuweisungen" erfordere. Am Beispiel des sogenannten Connected Service werde deutlich, dass der Datentransfer auch eine marktlenkende Funktion zulasten der Autohäuser und Werkstätten haben könne.

 

Mit dieser Debatte erhalte das Thema Digitalisierung in der Automobilwirtschaft eine neue Dimension.


 

Vorsichtige Prognose

Karl-Heinz Bley sagte zu den Erwartungen des Kfz-Gewerbes für das neue Autojahr, insgesamt werde man sich auf einen stabilen Verlauf einstellen ohne "große Ausschläge nach oben oder nach unten". In der Gesamtheit heiße dies rund 70.000 bis 72.000 Autokäufe im bremischen Markt, davon 23.000 Neuzulassungen und ca. 49.000 Pkw-Besitzumschreibungen. Für den Automobilhandel von wachsender Bedeutung sei die Entwicklung der Teilmärkte gewerblich und privat. Bley: "Die gewerbliche Nachfrage war eine Konstante, das private Kaufinteresse eine Variable." Man schaue gespannt auf diese weitere Entwicklung.


Diese Seite in einem sozialen Netzwerk veröffentlichen:

  • Twitter
  • Facebook
  • MySpace
  • deli.cio.us
  • Digg
  • Folkd
  • Google Bookmarks
  • Yahoo! Bookmarks
  • Windows Live
  • Yigg
  • Linkarena
  • Mister Wong
  • Newsvine
  • reddit
  • StumbleUpon